Die Langdistanz in der UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt

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Die Langdistanz in der UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt

Athleten Stories: “Bobbe” Robert Ehlis: “Mich kann man danach eine Woche lang blöd anreden, ich grinse trotzdem!”

Posted on: Sonntag 14th Februar 2016

Vor unserer Premiere des CHALLENGEREGENSBURG wollen wir Athleten, Interessierte und die Region nicht nur mit Fakten und Informationen versorgen, sondern auch mit Geschichten, die das Triathlon-Leben schreibt.

Für uns besonders wichtig: Ihr! Unsere Altersklassenathleten. Euere Geschichten interessieren uns. Und wir erzählen Sie!Peter Ferstl , frei

“Bobbe” kennt man in Regensburg und über die Region hinaus. Denn “Da Bobbe” ist Kabarettist. Mit seinem Programm “Facklfotz’n”, Lederhose und Ziehharmonika tourt der 36-jährige durch Bayern. Auf die Frage, wie er auf sein Programm komme antwortet er gerne: “Ich sage immer, dass sie mir beim Laufen, radfahren und schwimmen einfallen, denn das ist die einzige Möglichkeit, wo Zeit dafür ist!”

Am 14. August jedoch, wird seine Bühne eine größere sein, als normalerweise. Ausnahmsweise wird er auch nicht alleine dort stehen, sondern mit über 1.000 anderen. Dabei kennt er die Strecke nicht nur als heimisches Trainingsrevier – er stammt aus Alteglofsheim bei Regensburg –, sondern ist auch schon zwei Mal hier gestartet. Nach einem Abstecher nach Klagenfurt in 2014 und einem Jahr Langdistanz-Pause, steht er 2016 nun wieder am Start. Bei beiden Starts in Regensburg hatte er wegen technischen Defekt am Rad eine schlechte Zeit. Trotzdem hat er immer gefinisht! 2016, ist er sich sicher, muss alles funktionieren!

Wir haben uns mit ihm unterhalten.

CR: Seit 2009 machst du bereits Triathlon, hast schon drei Langdistanzen zu Buche stehen. Warst Du vorher schon sportlich aktiv?

Ironman 107Bobbe: Ich war nur Hobbysportler im Fußball und Basketball, musste aber mit 18 aufgrund meiner Schichtarbeit damit aufhören im Verein zu spielen und war dann fünf Jahre absolut unsportlich und habe dementsprechend zugenommen und war absolut unfit. Ausschlaggebender Grund war dann ein Feuerwehreinsatz, bei dem ich 200 Meter zum Feuerwehrhaus laufen musste und ich als letzter unserer „Laufgruppe“ ankam, Atemnot hatte und so weiter! Dann habe ich mir gesagt, so kann es nicht weitergehen, und bin 2002 zum Laufsport gekommen.
Anfangs waren es nur fünf Kilometer Läufe, dann zehn Kilometer, 2004 dann mein erster Halbmarathon, 2006 mein erster Marathon. Irgendwann wollte ich mehr und bin ohne irgendeinen Volkstriathlon oder eine Olympische Distanz 2009 beim IM 70.3 in Wiesbaden gestartet.

Neben Triathlon bin ich mittlerweile auch ambitionierter Bergsteiger und Klettersteiggeher, auch einen Ultramarathon in Südafrika habe ich 2014 gefinisht – aber alles laufen über 50 Kilometer ist nichts für mich, dass habe ich im Ziel beschlossen!

CR: Wie bist Du zum Triathlon gekommen?

Bobbe: Durch Zufall! Mein Laufpartner vom Marathon 2008 in München nahm einen Prospekt mit, vom IM Wiesbaden 70.3, und wir sagten im Spaß: “Zehn Monate Zeit – sollte kein Problem sein”. Dann begann das Schwimmtraining und es folgte der Kauf eines Rennrades und wir trainierten zusammen. Und im August 2009 standen wir dann zusammen am Schwimmstart!

CR: Warum hast Du Dich für eine Teilnahme beim 2016 entschlossen?

Bobbe: Nach dem IM 2012 in Regensburg, dachte ich, Zwei Langdistanzen in der Heimatstadt, jetzt noch meine Wunsch-Langdistanz in Klagenfurt 2014, wo alles super lief, und dann reicht es für’s Leben.
Aber als ich dann mitbekam dass 2016 wieder eine Langdistanz in Regensburg stattfindet und viele Sportfreunde immer von Roth schwärmten, dachte ich mir – Pfeiff drauf, „Rennen dahoam“ – die Radstrecke geht immerhin am Heimatort vorbei – wer kann das schon haben? Und somit habe ich mich am ersten Tag der Anmeldung registriert!

CR: Was sind Deine Ziele für das Rennen am 14. August?

Bobbe: Nach dem Rennen 2014 in Klagenfurt bin ich vier Tage danach in den Kärntner Alpen beim Bergsteigen schwer gestürzt und habe mir kompliziert den Fuß gebrochen, womit ich bis Herbst letzten Jahres immer wieder Probleme hatte. Umso mehr ist es mir 2016 am wichtigsten, verletzungsfrei im Training und natürlich im Rennen zu bestehen. Da ich aktuell starken Trainingsrückstand habe, will ich den Fokus Eins auf das Finish legen, aber Fokus Zwei soll schon eine Finisherzeit um 12 Stunden werden. Dieses große Ziel habe ich dann doch im Auge, und ohne Ziele zu stecken, fehlt der Antrieb.

Bobbe Kabarett, einmalig

CR: Was fasziniert Dich an der Sportart Triathlon?

Bobbe: Ich finde die Bindung zur Natur im Training einfach grandios. Ich bin eben sehr gerne in der Natur unterwegs und wo kann man das besser, als beim schwimmen, radeln und laufen? Ich bin auch kein Fan von Trainieren in Studios beim Spinning oder Schwimmen im Becken. Sobald es die Wassertemperaturen zulassen, bin ich im See unterwegs – zur Not mit drei Badekappen, damit der Kopf nicht zu schnell auskühlt. Laufen am Laufband mache ich gar nicht und radeln auf der Rolle ist auch nicht meins. Da fahre ich lieber mit dem Mountainbike durch die Winterlandschaft.

CR: Was war Dein besonderstes Triathlon-Erlebnis?

Bobbe: Das war bei meinem ersten IM Regensburg 2011. Ich war Top-vorbereitet und kam fünf Minuten schneller als geplant aus dem See und radelte bei Regenschauer und Wind los, doch mir war es egal, ich war extrem fokussiert.
Dann bricht mir bei Kilometer 24, kurz vor Brennberg, das Schaltwerk an meinem Rad. Ich versuchte das Schaltwerk zu fixieren, wäre auch mit hinterem festen Ritzel weitergefahren, könnte ich nur vorne zwei Ritzel schalten, aber ich wollte finishen. Jedoch war nichts zu machen.

Feuerwehrleute brachten mir Werkzeug, aber erstens durfte ich es nicht annehmen, und ich hätte es auch nicht reparieren können. Ich rief mit dem Handy eines Feuerwehrmannes meine Freundin an, dass ich aussteigen muss und war total gefrustet. So gut unterwegs und dann das. Alle Freunde und die Familie waren an der Radstrecke positioniert und grillten und wollten mich anfeuern und dann zum Laufen in die Stadt fahren und mir den letzten Schub geben.

Ich war stinksauer, alle fuhren an mir vorbei, immer weniger wurden es, und ich wartete auf den „Besenwagen“ wie es so schön heisst. Dann kam ein Athlet aus Italien und fiel genau wo ich wartete vom Rad. Er musste aufgrund von Kreislaufproblemen aussteigen, fragte was mir fehle, und ich sagte ihm auf Englisch „Ein Rad“. Er sagte, ohne lange zu überlegen, “Nimm meines, wir tauschen die Nummern und ich nehme dein Rad mit in die Wechselzone und tausche dort wenn du läufst wieder die Nummern”. Wir fragten noch einen Schiedsrichter um Erlaubnis und der war auch so baff über des Italieners Angebot und sagte – “tauscht die Räder, ich weiß von nichts”.

Das nächste Problem war, ich messe zwei Meter und der Italiener maß 1,70, aber scheiss egal, ich wollte nur finishen. Ich rief dem Feuerwehrler noch zu, er solle die Nummer, die ich angerufen habe mit seinem Handy zurückrufen und meiner Freundin sagen, dass ich jetzt mit einem blauen anstatt einem silbernen Rad wieder unterwegs bin!

Der Rest ist Geschichte: Ich hatte eine Stunde verloren, fuhr 155 Kilometer mit einem viel zu kleinen Rad, aber traf dann den Italiener wirklich in der Wechselzone und konnte loslaufen! Ich habe mich schnell bedankt und sah ihn leider nie mehr wieder. Meine Fans feuerten mich an und ich konnte nach 14:23h finishen.
Ich bin bis heute begeistert, dass ein Athlet einfach sein Rad hergibt, was wirklich absolut Seltenheitswert hat. Ich möchte behaupten, dass von 3.000 Athleten keine 5% so etwas machen würden. Welch ein Glück, einen davon genau an meinem Standpunkt zu treffen!
Ich habe dann anhand der Startnummer versucht ihn zu kontaktieren und fand seine Adresse heraus. Zum Dank habe ihm ein riesengroßes Bayernpaket geschenkt, inklusive Streckenfotos mit seinem Rad und von den ersten Kilometern, wo ich noch mit Meinem fuhr!

CR: Kabarett und Sport – beides erfordert sowohl einen großen Part Ernsthaftigkeit, als auch das gewisse Maß an Spaß, Lockerheit und Freude am Tun. Wie findest du für dich die richtige Balance zwischen den zwei Seiten?

Ironman 010Bobbe:  Mein Leitsatz lautet: „Sieger ist nicht wer das Ziel erreicht, sondern wer über die Startlinie geht!“
Dieser Satz ist Gold wert, denn er sagt soviel aus, was in der heutigen Zeit durch Medieneinflüsse komplett verlorengeht. Nämlich, dass man sich Ziele stecken soll und dann mit Ehrgeiz, aber nicht krampfhaft darauf hinarbeitet, OHNE sich von anderen beeinflussen zu lassen.
Denn wenn ich danach gegangen wäre das zu tun, was andere sagen oder mir raten, wäre ich bis heute weder Triathlet, hätte keinen einzigen Marathon gefinisht, und würde nicht jedes Wochenende auf der Bühne stehen und die Leute zum Lachen bringen. Anfangs hat das so gut wie keiner verstanden, wie ich mein Leben lebe.
Aber das finde ich, ist das richtige Rezept und da liegt auch der Zusammenhang zwischen Kabarett und Triathlon. Das zu tun was man sich wünscht und etwas vollbringen, was nicht viele können, sei es als Freiberufler Kabarett zu machen und damit sein Geld zu verdienen, oder eben eine Langdistanz zu finishen. Denn das sind Dinge, die kann man sich nicht kaufen!

CR: Welche Schwierigkeiten könnten sich Dir bei Deiner Vorbereitung in den Weg stellen und was motiviert Dich, Dein Ziel zu verfolgen?

Bobbe: Das große Damoklesschwert, das über mir schwebt, ist einfach Verletzungen im Training zu haben, die die Vorbereitung stören und ein technischer Defekt am Rad im Wettkampf, da ich das eben 2011 hatte und auch 2012 drei Plattfüße fuhr. Aber motivieren kann ich mich ganz einfach damit, dass ich bis jetzt jeden Wettkampf gefinisht habe, egal welche Sportart und Distanz. Wenn auch nicht immer zufrieden und gesund, aber das spornt schon an!

CR: Auf was freust Du Dich am Renntag ganz besonders und auf was legst Du Wert bei einem Rennen?

Bobbe: Ich lege auf Fairness sehr viel Wert. Wenn bergab eine scharfe Kurve kommt, muss ich nicht bis zum letzten Bremspunkt Vollgas fahren. Ein Sturz könnte nicht nur mich, sondern auch hinter mir fahrende Athleten verletzen etc.! Das habe ich oft erlebt, dass wegen 1,2 Minuten Kamikaze am Rad angesagt ist…
Freuen tue ich mich auf das ganze Rennen, ich kenne jeden Ort, den wir durchfahren, meine Heimatstadt laufend zu erleben ist einfach grandios und natürlich freue ich mich am meisten (hoffentlich) auf den Zieleinlauf am Dom. Da fällt einfach alles ab, auch wenn danach alles weh tut.

Mich kann man dann eine Woche lang blöd anreden, ich grinse trotzdem!

Lieber Bobbe, vielen Dank für Dein Interview. Wir wünschen Dir viel Spaß, viel Erfolg bei Deiner Vorbereitung und ein perfektes Rennen!

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