Die Langdistanz in der UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt

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Die Langdistanz in der UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt

Athleten Stories: Jennifer Gendreizig – “Ich möchte das Abenteuer Langdistanz einfach einmal erlebt haben”

Posted on: Sonntag 7th Februar 2016

Vor unserer Premiere des CHALLENGEREGENSBURG wollen wir Athleten, Interessierte und die Region nicht nur mit Fakten und Informationen versorgen, sondern auch mit Geschichten, die das Triathlon-Leben schreibt.

Für uns besonders wichtig: Ihr! Unsere Altersklassenathleten. Euere Geschichten interessieren uns. Und wir erzählen Sie!Sebastian Kuhn, frei

Den Auftakt zu unseren Athletenstories macht Jennifer Gendreizig. Die Optoelektronikerin möchte sich am 14. August, zu ihrem 42. Geburtstag ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk machen: Sie möchte ihre erste Langdistanz finishen.
Für die begeisterte Triathletin aus Hagen ist das alles andere als selbstverständlich. Denn sie lebt mit Multipler Sklerose, MS, einer Krankheit, die das zentrale Nervensystem befällt und zu Schäden an der Nerven-Hülle führen kann. Doch das nur am Rande. Denn “das Thema MS ist nur ein Teil von Vielen in meinem Leben”, schreibt sie uns.

Wir haben uns mit ihr unterhalten.

CR: Hallo Jennifer! Du hast 2001 zum Triathlon gefunden und bist seither so richtig dem Ausdauersport verfallen. Warst Du vorher schon sportlich aktiv? 

Jennifer: Ja, ich habe zuvor fast 30 Jahre Handball gespielt.

Jennifer Gendreizig, einmalig
Jennifer im Ziel des Düsseldorf Marathon 2012

CR: Wie bist Du zum Triathlon gekommen?

Jennifer: Ich war 2011 bereits sieben Mal beim Hagener Triathlon über die Volksdistanz gestartet, habe aber sonst weiter keinen Gedanken an Triathlon verschwendet. Dann habe ich beim Hagener Triathlon Team einen Kurs absolviert: Von der Couch Potato zum Triathleten. Innerhalb dieses Kurses habe ich mich mit neun anderen Rookies drei Monate lang intensiv auf den Hagener Triathlon vorbereitet. Dort habe ich dann auch erste Erfahrungen mir strukturiertem Training nach Trainingsplänen gemacht.

Der Wettkampf war dann einfach nur „sau geil“ und mir war klar, dass dies meine neue sportliche Leidenschaft wird. Die anspruchsvolle Radstrecke bin ich noch mit dem Mountainbike gefahren, aber ich hatte bereits meine erste, nagelneue Tri-Short, auf die ich damals super stolz war.

CR: Warum hast Du Dich für eine Teilnahme beim CHALLENGEREGENSBURG 2016 entschlossen?

Jennifer: Ich war bisher nur zwei Mal beruflich in Regensburg und habe mich auf Anhieb in die Stadt verliebt. Jetzt möchte ich einfach mehr von der Stadt, der Umgebung und den Menschen dort kennenlernen
Außerdem reizt mich die Radstrecke. Ich bin kein Typ der 180Kilometer stur und flach geradeaus fährt.

Und die Tatsache, dass ich an dem Tag des Rennens Geburtstag habe, hat natürlich auch eine Rolle gespielt.

CR: Was sind Deine Ziele für das Rennen am 14. August?

Jennifer: In erster Linie möchte ich ankommen und verletzungsfrei bleiben. Natürlich möchte ich auch so lange wie möglich einfach Spaß am Rennen haben.

Jennifer Gendreizig, einmalig
Jennifer auf der Laufstrecke im Kraichgau

CR: Was fasziniert Dich an der Sportart Triathlon?

Jennifer: Ich mochte alle drei Disziplinen auch schon bevor ich angefangen habe, sie kombiniert zu betreiben. Und ja, ich Schwimme tatsächlich auch sehr gerne.

Ich mag es auch, sehr lange am Stück Sport zu treiben und finde es sehr gut, dass ich frei wählen kann, wann ich trainiere, und ob ich dies lieber alleine oder in Gesellschaft tue. Das geht bei einer Mannschaftssportart natürlich nicht.

CR: Was war Dein besonderstes Triathlon-Erlebnis?

Jennifer: Meine erste Olympische Distanz 2012 in Dortmund. Es hat das ganze Rennen über in Strömen geregnet. Mir war das egal. Ich war so voll gepumpt mit Endorphinen. Aber es waren so gut wie keine Zuschauer mehr an der Strecke oder im Ziel. Bis auf drei Mädels aus meinem Team, die ich zu diesem Zeitpunkt aber noch gar nicht so gut kannte. Die haben dort ausgeharrt bis ich im Ziel war und mich lautstark angefeuert. Und das hat einige Zeit gedauert. Heute sind wir vier Freundinnen und die drei werden mich auch nach Regensburg begleiten.

CR: Bei deiner Anmeldung hast du uns kurz und knapp alles geschrieben, was dich am 14. August antreiben, aber auch fordern wird. Du schriebst: “Erste Langdistanz! Trotz meiner MS Erkrankung möchte ich mir diesen Traum erfüllen und werde an meinem 42. Geburtstag in Regensburg alles geben.” Was steckt hinter dieser Geschichte?

Jennifer: Den ersten Schub hatte ich im Oktober 2006. Dieser wurde behandelt, aber zunächst keine weitere Therapie eingeleitet. Bis zum zweiten Schub im April 2008, und der endgültigen Diagnose. Das hat mir schon ganz schön den Boden unter den Füßen weggezogen.
Das Medikament, das ich mir ab da spritzen musste, hat mich ziemlich müde und abgeschlagen gemacht und ich habe trotzdem alle sechs Monate einen neuerlichen Schub bekommen. An Sport war zu dieser Zeit gar nicht wirklich zu denken.

Aber irgendwie hatte ich dann trotz allem ein riesen Glück. Meine Schübe aus dieses Zeit haben keine spürbaren Beeinträchtigungen hinterlassen und ich konnte irgendwann auf ein anderes Medikament umstellen, dass ich deutlich besser vertragen habe. Im Oktober 2010 hatte ich dann auch zunächst einmal meinen letzten Schub. Da ich schon immer Sport getrieben habe, gleicht mein Körper einige Defizite ganz gut aus.

Im Rahmen der Diagnosestellung hat man mir gesagt, dass ich mit der Krankheit alt werden kann, aber sicherlich keinen Marathon mehr laufen werde. Das war im April 2008. Im April 2012 bin ich dann in Düsseldorf meinen ersten Marathon gelaufen. Von da an wusste ich, dass ich in erster Linie einfach an mich glauben muss.

Natürlich gab es auch immer mal wieder Rückschläge, so musste ich meine für Oktober 2013 geplante Teilnahme am Marathon in München auf Grund eines Schubs kurzfristig absagen.

Und leider habe ich auch aus diesem Schub eine Beeinträchtigung im rechten Bein zurückbehalten. Seitdem muss ich, vor allem bei längeren Strecken, immer aufpassen, dass ich das Bein richtig anhebe, um nicht hängen zu bleiben und zu stürzen. Aber daran arbeite ich mit einer Physiotherapeutin.

Den Marathon in München bin ich dann im Oktober 2015 gelaufen. Der Einlauf ins Olympiastadion war für mich als Fan des FC Bayern ein absolut traumhaftes Erlebnis.

Natürlich muss ich mich damit abfinden, dass ich sicher keine Bestzeiten mehr laufen werde. Das ist aber absolut nicht schlimm, da ich ja nicht weiß, wie schnell ich ohne die Krankheit wäre. Und natürlich weiß ich auch nicht, ob ich ohne die Krankheit überhaupt so bewusst leben würde. Irgendwie gehört doch alles zusammen.

Ich habe einen tollen Job mit einem genialen Chef, der mich überall wo es geht unterstütz.

Tolle Geschwister, vor allem meine beiden jüngsten Schwestern (28 Jahre) sind sehr wichtig für mich, und werden auch mit mir in Regensburg sein, gute Freunde und ein sehr nettes Trainingsumfeld.

CR: Was bedeutet die Diagnose MS für einen Sportler?

Jennifer Gendreizig, einmalig
Jennifer im Kraichgau

Jennifer: Ich glaube, das ist sehr individuell. Für mich bedeutet es, dass ich mit wesentlich weniger Druck an die Sache rangehen kann.

Ich denke für mich ist es noch wichtiger, als für einen gesunde Menschen, die Balance zwischen Belastung und Erholung zu finden.

CR: Welche Schwierigkeiten könnten sich Dir bei Deiner Vorbereitung in den Weg stellen und was motiviert Dich, dennoch Dein Ziel zu verfolgen?

Jennifer: Natürlich könnte mich ein Schub jeder Zeit ausbremsen. Am meisten Angst habe ich aber davor, dass die Beeinträchtigungen in meinen Beinen, und hier halt vor allem im rechten, schlimmer werden.

Was mich dennoch motiviert? Ich möchte das Abenteuer Langdistanz einfach einmal erlebt haben. Ich glaube nicht, dass ich noch ewig lange dazu in der Lage sein werde, einen Marathon zu laufen. Und wenn ich vielleicht irgendwann nicht mehr richtig laufen kann, so kann ich mich sicher besser damit abfinden, wenn ich auf das Erlebte zurückblicken kann.

CR: Auf was freust Du Dich am Renntag ganz besonders und auf was legst Du Wert bei einem Rennen?

Jennifer: Am meisten freue ich mich auf den Startschuss. Das ist bei jedem Rennen so. Da fällt einfach die ganze Anspannung ab. Und auf den Zieleinlauf freue ich mich natürlich auch, wenn ich dann (hoffentlich) meine erste Langdistanz gefinisht habe.

Ich finde es wichtig, dass freundliche Helfer rund um das Rennen arbeiten. Ich bin zwei Mal bei der Challenge im Kraichgau gestartet und die Menschen dort sind einfach der Hammer.

Liebe Jennifer, vielen Dank für Dein Interview. Wir wünschen Dir viel Spaß, viel Erfolg bei Deiner Vorbereitung und ein perfektes Rennen!

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