Die Langdistanz in der UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt

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Die Langdistanz in der UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt

Interview mit Rennarzt Dr. med. Harlass-Neuking

Posted on: Sonntag 5th Februar 2017

Dr.Harlass-NeukingEine Erkältung, Muskelzwicken oder Rückenschmerzen machen auch vor der Rennwoche nicht Halt. Und so kommt es, dass man gelegentlich auch am Rennort noch auf ärztliche Versorgung angewiesen ist. In Regensburg ist Dr. med. Harlass Neuking der Ansprechpartner für alle Athleten der Challenge Regensburg. Denn er ist der offizielle Renn-Arzt. Wir haben uns mit ihm unterhalten.

Guten Tag Herr Dr. Halass-Neuking,
wenn man sich schon im Beruf sportlich engagiert, ist man dann auch privat sportbegeistert?

Als Aktiver in der Sportmedizin liegt es in der Natur der Sache, dass man in den Abendstunden nach einem normalen Arbeitstag bzw. an den Wochenendtagen häufig und ausgedehnt beschäftigt ist. Dieser Aufwand ist wohl nur zu leisten, wenn man auch privat leidenschaftlich mit dem Sport vernetzt ist. Bei mir ist es so, dass ich von frühester Jugend an in verschiedensten Sportarten aktiv war und bin, wobei meistens ein Ball mit im Spiel war (Hockey, Tennis, Handball, Fußball). Heute bemühe ich mich, neben der Arbeit, noch ein Zeitfenster für regelmäßiges Joggen zu finden.

Ballsportarten ziehen oft Verletzungen im Muskel-, Sehnen- und Bänderapparat nach sich. Damit ist in der Challenge Regensburg-Rennwoche wahrscheinlich nicht zu rechnen. Mit welchen Problemen kommen Patienten stattdessen vielleicht in letzter Minute zu ihnen?

Bei echten Verletzungen im Muskel- oder Sehnenbereich wird eine Teilnahme für den einzelnen Sportler leider bei der Belastung einer Challenge nicht möglich sein. Gründe für eine ärztliche Behandlung sind unmittelbar in der Rennwoche eher noch verbliebene Überlastungserscheinungen vom harten Training, wie Sehnenreizungen oder Muskelverhärtungen. Oder andererseits akute grippale Infekte oder Magen-Darm-­Verstimmungen. Bei diesen Erkrankungen muss man kurzfristig entscheiden, ob medikamentös eingegriffen werden kann, oder ob vernünftigerweise auf einen Start bei der Challenge verzichtet werden muss.

Was kann man selbst tun, wenn es in der Rennwoche doch noch zwickt, und was sollte man auf jeden Fall vermeiden?

Bei leichteren Beschwerden am Bewegungsapparat ist es sicher sinnvoll, in der Rennwoche noch einmal bei einem Physiotherapeuten oder Manualtherapeuten die Statik, insbesondere im Wirbelsäulen- und Beckenbereich, überprüfen zu lassen, um evtl. noch bestehende muskuläre Dysbalancen zu beheben. Auch Massagen und Wärmebehandlungen können insbesondere muskuläre Hartspannzustände beseitigen helfen.

Die Trainingsumfänge müssen natürlich in der Rennwoche im Hinblick auf die Rennbelastung deutlich reduziert werden, wobei die Athleten sowohl im Profi- als auch im Amateurbereich in dieser Hinsicht mit professionellen Trainingsplänen ausgestattet sind.

Vermeiden sollte man auf jeden Fall körperliche Belastungen bei Fieber oder bei Entzündungszuständen im Körper, um das Immunsystem nicht unsachgemäß zu belasten. Auch sollten in der Rennwoche vernünftige regenerative Maßnahmen wie ausgewogene, sportlergerechte Ernährung, und eine gute Schlafhygiene umgesetzt werden. Von exotischen kulinarischen Ausflügen muss in Vorbereitung eines Triathlon-Wettkampfes ebenfalls abgeraten werden.

Langdistanz ist “in”. Doch so eine Belastung will wohl vorbereitet sein. Welche Voraussetzungen sollte sich ein Athlet lhrer Erfahrung nach antrainiert haben, um der Belastung einer Langdistanz standhalten zu können?

Zur Bewältigung eines Langdistanz-Triathlon-Rennens ist sicherlich eine gut durchstrukturierte Vorbereitungsphase von etwa 1-2 Jahren empfehlenswert, um der Belastung Stand zu halten. Die einzelnen Teildisziplinen sollten für den Teilnehmer in dem geforderten Umfang kein Problem vor dem Rennen darstellen, und werden einzeln, oder auch als Kombinationseinheit, in die Vorbereitung eingebaut. Im Rahmen der Vorbereitung erscheint natürlich auch eine sportmedizinische Checkuntersuchung mindestens am Anfang, und zur Kontrolle nach einigen Monaten des harten Trainings, sinnvoll und notwendig.

Sie arbeiten seit langem auch mit Triathlon-Profi Sonja Tajsich zusammen. Mit welchen Verletzungen plagen sich Profis herum und unterscheiden sich diese von derer von Altersklassenathleten?

Die medizinischen Probleme am Bewegungsapparat unterscheiden sich beim Triathlon nicht wesentlich bei den Profis und den ambitionierten Amateursportlern. Es findet sich einfach ein Belastungsumfang, der bei allen Athleten doch immer wieder insbesondere zu Überlastungszuständen im Muskel-/Sehnenbereich führt. Besonders betroffen sind beispielsweise die Achillessehne, die Plantarfaszie an den Füßen oder, durch die Belastung im Wasser, die Rotatorenmanschette an den Schultergelenken. Wie bereits weiter oben angedeutet, finden sich auch wiederholt bei Profis und Amateuren muskuläre Dysbalancen im Wirbelsäulen-Becken-Bereich, die zu Belastungsschmerzen im Rumpf- und Beinbereich führen können. Eher weniger häufig z. B. im Vergleich zu Ballsportarten finden sich aktivierte Knorpelschäden an den Gelenken, was bei den zurückgelegten Laufstrecken doch eher überrascht.

Warum wollen Sie Teil des Challenge Regensburg sein und worin sehen Sie die Chancen für Stadt und Region?

Aufgrund der jahrelangen vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Familie Tajsich war es für meine Praxispartner Dr. med. Bernd Meyer und Dr. med. Susanne Zimmermann und für mich eigentlich Ehrensache, das Projekt “Challenge Regensburg” aus sportmedizinischer Sicht zu unterstützen und in der Rennwoche Bereitschaftsdienst fur die teilnehmenden Athleten zu übernehmen. Die Challenge Regensburg ist auf jeden Fall ein Highlight auf der sportlichen Landkarte dieser wunderschönen Stadt und die Atmosphäre bei der ersten Auflage im August 2016, insbesondere im Altstadtbereich, war einfach faszinierend.

Durch moderne Marketinganalysen ist ja inzwischen gut belegt, welchen Werbeeffekt eine solche Veranstaltung für die Stadt und den Landkreis Regensburg erzielt. Wir wollen daher von medizinischer Seite unseren Teil beitragen, dass sich die Teilnehmer hier wohlfühlen und professionell betreut werden. Zu einem derart professionell organisierten Event gehört nach unserer Ansicht einfach eine entsprechende sportmedizinische Betreuung. Dies soll ein Mosaikstein sein, um die Begeisterung für den Triathlonsport, sowohl bei den Teilnehmern, als auch bei der einheimischen Bevölkerung, weiter wachsen zu lassen.

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